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19.09.2015 - von Janis Prinz

Meisterhaftes Wochenende auf dem Master's Cup

von Oliver Schönian

Vom 18. bis 20.09 richtete die DDG den Master's Cup in Eisenach aus. Debattierlegenden aus ganz Deutschland kamen zusammen, um daran teilzunehmen. Traditionell dürfen nur Alumni-Mitglieder sowie der Nachwuchspreisträger auf dem Turnier reden, allerdings wurden studentische Juroren (wie ich) gern gesehen.

Meine Reise gen Eisenach begann am Freitag, und als doppelte Premiere war dies nicht nur mein erster Master's Cup, sondern auch die erste alleinige Reise. Auf der Fahrt begegnete ich sogar einigen Larp(Life Action RolePlay)spielern, die ebenfalls in Eisenach erwartet wurden. Mit Druiden und Priester an meiner Seite wurde die Fahrt unterhaltsam und aufregend.

1MastersCup2015

Am Hauptbahnhof angekommen fuhr ich mit einem Taxi zum etwas auswärts gelegenen Hotel, und da ich etwas früh ankam, war ich der Erste. Um die Wartezeit zu überbrücken, vertiefte ich noch einmal das spezielle Masterformat, welches ebenso zu diesem Turnier gehört wie das Finale auf der Wartburg. Die Stunden vergingen, bis mich der Ausrichter und Präsident der Deutschen DebattierGesellschaft Thore W. einlud, an der Mitgliedsversammlung der DDG teilzunehmen. Man könnte sich dieses Treffen am Besten wie eine Mitgliederversammlung vorstellen. Es wurden Anträge durchgesprochen, der Vorstand wurde gewählt, die Finanzen geklärt, viel gelacht und ehe man sich versah, war es auch schon tiefste Nacht. Auf der Rückfahrt zum Hotel konnten wir am Himmel auch das Sternenbild des Großen Wagens erblicken, was das Sahnehäubchen des Tages war.

 

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück auf zum Luthergymnasium, wie es sich traditionell gehört. Es wurde noch kurz um geräumt und aufgebaut, dann wurde auch schon das erste Thema verkündet „Dieses Haus glaubt, der Staat sollte den Druck von Zeitungen finanziell bezuschussen“. Ich jurierte zusammen mit Marion S., die mir noch einige Ratschläge zum bewerten gab. Wir hörten eine Debatte darüber, ob Zeitungen sich den Leser anpassen sollten und modernere Qualitäten annehmen, oder sich auf altbewährte Informationsvermittlung konzentrieren sollten.

Die zweite Runde wurde etwas philosophischer, als das Thema, „Dieses Haus findet es gut, dass der Sinn menschlicher Existenz unbekannt ist“, debattiert wurde. Dieses Mal jurierte ich zusammen mit Andrea G., die ich sehr für ihr Talent in der Analyse bewundere. Wir hörten von Arbeiterameisen, wie und ob man glücklich ist und sogar von Gott. In der Jurierung zeigte Andrea einmal mehr ihr Talent.

Ohne große Umschweife folgten die dritten Debatten über das Thema „Dieses Haus glaubt, die Antwort auf „Global Warming“ ist „Climate Engineering““. Mich als Ingenieur interessierte dieses Thema natürlich besonders, allerdings war ich auch froh, dass es nicht in die fachliche Tiefe ging, dafür hörte ich aber sehr gute Abwägungen über Schaden und Nutzen.

Es wurde Zeit zum Mittagessen, und zu meinem Staunen gab es selbst gekochtes Essen. Die Köchin der Schule hat für uns Rouladen und vegane Speisen vorbereitet, allein schon für diese Tatsache vergebe ich ihr 5 Sterne. Es herrschte während des ganzen Turniers eine angenehme Atmosphäre, die Leute waren nicht zum gewinnen da, sondern um Spaß mit ihren Freunden zu haben. Es wirkt so, als wäre die DDG ein großes Club mit Mitgliedern aus ganz Deutschlands.

Nach dem leckeren Essen folgte die vierte Vorrunde „Factsheet: Die Kosten einer künstlichen Befruchtung liegen bei etwa 10.000 Euro pro Versuch. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen 50-75 Prozent dieser Kosten.
Dieses Haus würde einem kinderlosen, von Hartz IV lebenden Paar die übrigen Kosten einer künstlichen Befruchtung aus Steuergeldern finanzieren“. Ist es die Aufgabe des Staates, Kinder zu ermöglichen? Sind wir verpflichtet, Kinder zu haben? Diese und mehr Fragen wurde in unserer Debatte besprochen. Leider weiß ich bis heute nicht, wie dieser Fall ausgegangen ist.

Die letzte Vorrunde wurde verkündet, die ich erneut zusammen mit Andrea G. verbrachte. „Dieses Haus vermisst „Wetten dass…““ lautete das Thema, welches den Rednern die letzte Chance bot, ins Halbfinale zu kommen. Wir hörten rhetorische Meisterleistungen, Impressionen von Sendungsausschnitten, wie „Wetten, dass...“ das Land eint oder doch nur ein totes Pferd ist, das besser begraben bleibt. Zum zweiten Mal an diesem Tag versetzte mich meine Hauptjurorin durch ihre Fertigkeiten ins staunen.

Zu meiner großen Verwunderung wurde ich Nebenjuror im 2.Halbfinale, in dem über das Verbot eines moralsteigerndes Medikament diskutiert wurde. Die Reden wurden besser und besser, nur meine Leistung ließ gegen Ende nach.

 

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Wir fuhren zusammen zur Wartburg, in der das Finale stattfand. Der Ausblick auf die Regenwolken und die untergehende Sonne war einfach traumhaft, genauso wie der Sängersaal, im dem das Finalthema „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ debattiert wurde. Ich war froh, einfach nur den Rednern zuhören zu können und mir weitere Meisterreden anhören zu dürfen. Nach dem Finale stimmten wir uns im Schlossrestaurant mit Sekt und Bratwürsten auf die Party ein. Der Sieg von Isabelle Fischer wurde verkündet, Geschenke verteilt und gratuliert. Für mich endete der Abend auch schon dort, die vielen Debatten hatten ihren Preis, und auch wenn ich sie sehr genossen habe, war ich fertig. Willy W. fuhr mich mit seiner Gang zum Hotel, wobei sie Fahrtrichtungen als politische Ausrichtungen angaben (jetzt einmal merkeln).

Am nächsten Morgen frühstückte ich noch zusammen mit einer Freundin, mit der ich mich glücklicherweise auch das Taxi zum Bahnhof teilen konnte.Ich habe auf diesem Turnier wirklich supernette Leute getroffen. Es war megaspaßig und einfach nur ein Highlight in der Debattiersaison.

 

Meinen Glückwunsch an die Gewinnerin und vielen Dank an Thore W., der dieses Spektakel geplant, organisiert und für uns alle zu einem meisterlichen Event gemacht hat.

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