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19.03.2016 - von Janis Prinz

Die ZEIT DEBATTE Berlin – Eine kurze Geschichte über Zeit

von Florian

 

Wer etwas über eine ZEIT DEBATTE erfahren möchte, für den soll das ein kleiner Ausblick sein. Generell gilt, wer bei einer ZEIT DEBATTE mitmachen möchte, der sollte sich vorher überlegen ob auch genügend Zeit vorhanden ist. Es gibt zumeist fünf Vorrunden, eine am Freitagnachmittag und vier über den Samstag verteilt. Am anschließenden Sonntag gibt es zwei Halbfinals und das Finale. Eine Debatte dauert rund eine Stunde und jeder darf sieben Minuten seinen Senf hinzugeben. Der Spaß - der bei so einem Turnier nicht immer im Vordergrund steht – dauert also ein ganzes Wochenende und jeder darf in den Vorrunden effektiv 35 Minuten davon nutzen. Man sollte sich also die klügsten Sätze für dieses Zeitfenster aufheben.

 

Am Anfang war das Wort

Dieser biblische Vers mag manch einem der anwesenden Personen durch den Kopf geschwirrt sein, bevor das Turnier am Freitag in die erste Vorrunde startete. „Herzlich Willkommen – bei der ZEIT DEBATTE in Berlin“, hallt es bei der Vorstellung des Turniers durch den Saal. Vorne steht eine junge Frau aus Berlin, die Cheforganisatorin, in einem grauen Kleid und beinahe platinblondem Haar zu einem Zopf zusammengebunden – alles ganz hübsch zurechtgemacht und einem solchem Turnier würdig, welches zu den vier Großereignissen der Saison gezählt wird. Es wird sich artig bedankt, bei den Menschen die geholfen haben dieses Turnier zu organisieren. Zwischendurch wird von beinahe 200 Leuten applaudiert, als wäre gerade das entscheidende Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit zum Gewinn der Weltmeisterschaft gefallen. Das ist keine Kritik an den Verhaltensformen der Debattierenden. Vielmehr soll es verdeutlichen wie viel Wert auf die Etikette und Symbolik gelegt wird – Höflichkeit ist eben eine Zier.

Es folgen zwei der Chefjuror*innen, die etwas über die Themen andeuten und um anschließend ein paar neue Regeln vorzutragen und zu bestätigen, dass ansonsten alles beim Alten bliebe. Bevor das Turnier allerdings starten kann, gibt es noch Fragen. Die Teilnehmenden bei so einem Turnier sind so welche, die häufig ganz genau wissen wollen, was passieren wird. So wird über schier jeden Satz der von den Juror*innen vorgetragen wurde, ganz genau hinterfragt, ob er denn auch so zu verstehen sei.

Zum Beispiel:

Chefjuror: Nachdem das Thema bekanntgegeben wurde, läuft die Zeit und ihr habt 15 Minuten zur Vorbereitung.

Max Mustermann (Name von der Redaktion geändert ;-)): Nachdem die Motion angezeigt wurde, oder erst nachdem sie vorgelesen wurde?

Chefjuror: Wir lesen die Motion noch einmal vor und ab dann wird die Zeit gestoppt.

Eine zweistellige Anzahl von Fragen, saust den Juror*innen um die Ohren, die alle souverän beantwortet werden. Lange Rede kurzer Sinn: Das meiste wurde intuitiv doch ganz richtig Verstanden. Ein Blick auf die Uhr verrät, man könnte jetzt mal anfangen. Die Zeit bleibt schließlich nicht stehen und manch einer möchte noch vor dem Eintritt ins Rentenalter die erste Vorrunde erleben. Noch ein paar technische Startschwierigkeiten und dann doch:

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Wer jetzt einmal die Augen schließt, der kann Aufregung, Motivation und Vorfreunde in diesem Saal spüren und beinahe einatmen. Der Geruch von Papier und Tinte, das Klappern von Stiften, Kullis und Füllern erfüllt den Raum und man mag sich fast an seine Einschulung erinnern. Doch jetzt wird es still, so still, dass man beinahe eine Stecknadel fallen hören könnte. Man öffnet nun vorsichtig die Augen und was man nun sieht, erinnert nun gar nicht mehr an kleine Schulkinder, sondern an junge Männer und Frauen die an dieser Stelle hochprofessionell agieren. Die Stoppuhren werden auf null gesetzt, die Brillen gerichtet, die klaren Augen blitzen auf und starren gebannt auf die Leinwand, auf der jeden Moment das Thema der ersten Vorrunde aufleuchten müsste. Es herrscht Aufbruchsstimmung und Spannung.

Auftakt, das Thema der ersten Vorrunde lautet: „Dieses Haus glaubt, dass Staaten, die eine Quote für Frauen in Führungspositionen von Unternehmen vorschreiben, einen Handel mit Führungspositionen für Frauen einführen sollten.“

Das Kratzen der Federn auf Notizblöcken erhebt sich wie der erste Ton einer Sonate durch die Reihen der Teilnehmenden, ehe das Trampeln der Füße, das klappen der Stühle und das wilde Geflüster der Redner*innen, in den Chor einsteigen und ein kleines Lied von Sturm und Drang erklingen lassen.

Der Startschuss ist gefallen und die Teams fliehen in die Vorbereitung um in der ersten Vorrunde zuzuschlagen. Wer allerdings erfahren möchte, wie eine Debatte abläuft, der sollte am Mittwoch in den Debattierclub Magdeburg kommen. ;-)

 

ZD Berlin 2016 Finale

Die ZEIT DEBATTE der Berlin Debating Union war in vielerlei Hinsicht ein tolles Turnier! ‪#‎ZDBer‬ ‪#‎ZDBerlin‬ ‪#‎MDelicious‬

--> Die erste Turnierteilnahme von Hoa, Einstand für Flo beim DCMD und Mentoring-Programm für unseren Juroren Oli.

Vielen Dank für die Organisation!

 

 

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